26.07.26 – Dyflin

Morgens fahren wir ohne Frühstück mit dem Fahrrad erst mal gute 7 km bis in die Innenstadt. Gegen einen starken Wind, von Sonne bis Niesel haben wir schon alles dabei. Heute typisch irisches Wetter. Unterwegs sind am Sonntag morgen außer uns viele Jogger und Rennradfahrer.

Um 11 Uhr haben wir eine Stadtführung bei FreeTours gebucht. In einem Café um die Ecke frühstücken wir erst mal.

Conor, unser Stadtführer, ist Nord-Dubliner und wieder so ein typischer, offener, sympathischer Führer, wie wir das von FreeTours kennen. Die Erläuterungen verbinden immer Historie mit den aktuellen Geschehnissen, persönlich gefärbten Meinungen, diversen Fun Facts und sind unterhaltsam und informativ. 

Wir machen eine kleine Runde durch die Südstadt mit den klassischen Stopps. Das Gelände des Schlosses ist zur Zeit leider nicht zugänglich, weil Irland seit Anfang Juli den Vorsitz der EU Ratspräsidentschaft innehat. Und da das Schloß Regierungssitz ist, ist es jetzt momentan Sitz der EU Ratspräsidenten und deshalb speziell gesichert. 

Dublin ist eine Gründung der Wikinger im Jahr 841. Nach mehreren Überfällen dachten sie sich, sie könnten sich hier ja auch gleich ansiedeln, das Wetter war ja auch viel besser als in Skandinavien. Also bauten sie eine ummauerte Siedlung und nannten sie Dyflin, schwarzes Wasser. Von der Stadtmauer und sonstigen Bauten der Wikinger ist allerdings nichts mehr zu sehen.

Es gibt zwei Kathedralen, innerhalb der ehemaligen Stadtmauer und eine außerhalb, damit auch alle Schäfchen versorgt waren. Die Christ Church Cathedral lag innerhalb der Stadtmauern und ist jetzt katholisch und St. Patrick anglikanisch. St. Patricks Gründung soll auf den heiligen St. Patrick (der Irland christianisiert hat) im 5. Jahrhundert zurück gehen. 

Anfang des 18. Jahrhunderts war Jonathan Swift (der mit Gullivers Reisen) Dekan der St. Patrick Kathedrale. Seine Bücher und Schriften müssen als beißende Satire und Kritik an den gesellschaftlichen Umständen der damaligen Zeit, vor allem an der Herrschaft der Engländer in Irland gelesen werden.

Durch Temple Bar, das berühmte Ausgehviertel, das aber hauptsächlich von Touristen frequentiert wird, schlendern wir natürlich auch. Conor rät uns eindringlich hier nicht einzukehren. Das ursprüngliche Publeben kann man eher auf der anderen Seite des Flusses, in der Capel Street erleben. Jedenfalls ist hier in Temple Bar Mittags schon irre viel los und kaum ein Durchkommen möglich.

Zum Abschluss landen wir beim altehrwürdigen Trinity College, an dem viele berühmte Schriftsteller studiert haben. Von hier aus machen wir uns dann selber auf den Weg.

Wir schnappen uns wieder unsere Fahrräder und fahren am Flussufer Richtung Docklands, dem wie in so vielen Hafenstädten modern bebauten, nicht mehr benötigten Hafengelände. 

Wieder auf der Südseite folgen wir dem Grand Canal mit vielen Schleusen. Idyllisches Flair. Hier entlang gibt es auch einen Greenway, eine Fahrradroute entlang des ganzen Kanals. 

Überhaupt ist die Radinfrastruktur hier in Dublin gar nicht so schlecht. Sie wurde massiv ausgebaut. Fast überall gibt es an den Straßen Radwege, Schutzstreifen oder kombinierte Rad-Busspuren. Es ist alles noch nicht perfekt, aber wo gibt es schon 100% (außer in Kopenhagen). Allerdings sieht man gar nicht so viele Alltagsradler, das meiste sind tatsächlich Essenslieferanten, die mit ihren S-Pedelecs ohne Rücksicht auf rote Ampeln und sonstige Verkehrsregeln durch die Stadt heizen. 

Ein bißchen geniessen wir dann das Treiben in St. Stephens Green, einem innerstädtischen, historischen Park. Auch hier ist ordentlich Sonntags-Treiben.

Wir kommen wieder bei St. Patrick vorbei und nutzen die Gelegenheit uns das Innere anzuschauen. 

St. Patrick ist die größte Kirche Irlands. Sie wurde im 19. Jahrhundert von Benjamin Guinness, dem Enkel des Gründers der Guinness-Brauerei umfassend saniert und umgebaut.

Die Kathedrale ist sehr offen gestaltet, weil beim Umbau im 19. Jahrhundert einige Innenmauern entfernt wurden. Sie wirkt dadurch sehr mächtig, groß und beeindruckend. Viele interessante Details und Geschichten lassen sich entdecken. Wir wandern mit einem Audioguide durch alle Winkel und Ecken.

Anschließend gehen wir in das empfohlene Capel-Street Viertel. Genehmigen uns in einem angenehmen Pub unsere Biere und anschließend essen wir in einem kleinen japanischen Restaurant.

Als wir uns auf den Heimweg machen, stehen Trauben von Menschen vor den Pubs. Heute war das All-Ireland Final des gälischen Footballs. Gewonnen hat Mayo gegen Kerry, den Vorjahressieger. Mayo gewann nach 75 Jahren erstmals wieder das Finale. Alle Fans müssen lautstark wieder runterkommen.

31. Tag

Radkilometer: 27 km

Radkilometer gesamt: 223,3 km

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