Leider verpassen wir ja die Luftgitarren Weltmeisterschaft, die jährlich Ende August in Oulu stattfindet. Da werfen wir doch einen Blick auf die kleine Fotoausstellung zur Weltmeisterschaft. Schon schräg. Einen lustigen Artikel zur Luftgitarre findet man bei Wikipedia. 2011 gewann übrigens eine Deutsche die Weltmeisterschaft.


Zu den kuriosen Highlights Oulus gehört neben der Luftgitarren-Weltmeisterschaft auch der „Chor der schreienden Männer“. Außerdem ist Oulu die nördlichste Großstadt der europäischen Union und nennt sich Fahrradhauptstadt des Winters. Tatsächlich sind die Radwege hier in der Stadt wirklich gut ausgebaut und es sind viele Radfahrer unterwegs.

Nach einem Schlenker über die Insel Pikisaari mit einer weiteren kleinen Ausstellung, die heute eröffnet hat, trinken wir einen Kaffee in der Oulu Bücherei, in der wir gestern schon kurz waren. Eine Miniversion der sensationellen Bücherei Oodi in Helsinki, die wir auf der Rückfahrt noch mal besuchen werden. Hier gibt es ebenfalls unter anderem einen Makerspace und auch Studios, die man mieten kann. Gestern probte eine Band in einem der Studios.

Dann machen wir uns auf den Weg zum Oulu Art Museum. Dort sind im Rahmen des Kulturhauptstadt-Programms momentan 2 Ausstellung über Modedesign zu sehen. „Wie sieht die Garderobe von morgen aus?“ Neues und experimentelles Design, das heutige Technologie mit umweltfreundlichen Materialien der Zukunft verbindet.





Auch Recycling und Wiederbenutzung von alter Kleidung sind ein großes Thema. Mit 3D-Druck wird experimentiert.



Skulpturenartige Kleidungsgebilde, die direkt anregen, selber tätig zu werden.



Jedenfalls alles total abgefahrene Kleidungsstücke. Ich kann mich gar nicht satt sehen. Weitere Bilder gibt es hier.


Auch gibt es einen spannenden Bereich, in dem Innovationen im Bereich ökologischer Fasern und Biomaterialien gezeigt werden. Stark ist die Aalto-Universität an diesen Forschungen beteiligt. Scheint überhaupt eine spannende Universität zu sein.


2 Bücher, die sich mit dem Thema beschäftigen liegen aus. Einfache Experimente mit diversen Materialien, Papier, Algen, Pflanzenfasern, um sie umzuwandeln in Stoff, Garn oder anderes.



Im Erdgeschoss werden die letzten Kollektion des japanischen Designers Yuima Nakazato ausgestellt. Er beschäftigt sich ausgiebig mit lokalen Kulturen in aller Welt, Innovation, Klimawandel und weiteren globalen Problemen unserer Zeit.
Das alles fließt in seine Mode ein, die er unter anderem mit traditioneller japanischer Handwerkskunst realisiert.
Ich bin jedenfalls voll geflasht, wir halten uns lange im Museum auf und gehen ganz inspiriert wieder zurück ins Zentrum. Man könnte fast sagen, das sich dafür die Reise nach Oulu schon gelohnt hat. Die zwei Bücher müssen jedenfalls sofort bestellt werden.



Davon müssen wir uns unbedingt erholen, bis wir uns dann abends auf den Weg zum Oulu Theater machen. Dort ist heute Premiere des Stückes „100% Oulu“. 100 Laienschauspieler aus Oulu, die in ihrer Zusammensetzung die Stadtbewohner von Oulu repräsentieren, in Alter, Geschlecht, Beruf, Überzeugungen und so weiter, stellen quasi die Stadt dar.


Das Stück ist von Rimini Protokoll, einer deutsche Theatergruppe, die dieses Konzept schon in 34 Städten in der Welt umgesetzt hat.
Wir verstehen natürlich gar nichts, logischerweise wird nur finnisch gesprochen. Wir können nur dem Treiben der 100 Personen, vom Kleinkind bis Senior zugucken, die sich in immer neuen Formationen auf der Bühne gruppieren. Je nach Fragestellung: „Wer hat Kinder“, „Wer ist einsam“… Oder „Wer hat welche Meinung zu was“, „wer wohnt in welchem Stadtteil“.


Manche Texte werden auf einer Leinwand projiziert und ich lasse mir einige von einer App übersetzen.
Das Stück ist eine Umsetzung der Statistik und der Zusammensetzung der Bevölkerung von Oulu in ein Theaterstück. Gebunden an die Personen auf der Bühne. Da die meisten Theaterbesucher natürlich aus Oulu kommen, ruft das Stück sehr viel Begeisterung und Verbundenheit hervor.
Auch wenn wir nicht viel verstanden haben, hat sich der Besuch für uns trotzdem gelohnt, um mehr Gefühl für die Stadt und die Menschen zu bekommen.



Für einen Absacker landen wir wieder in dem Jazz-Pub, im „Jumpru Pub“, in dem wir gestern waren. Heute ist hier eine Art sing along. Es gibt eine Liederbuchedition des Pubs mit über 100 bekannten Liedern. Ein Gitarrist und Sänger spielt auf Zuruf Songs zum mitsingen. Natürlich hauptsächlich auf finnisch.
Das Paar neben uns versorgt uns mit der Liednummer und wir versuchen den Text mitzusingen. Ist schon eine schräge Sprache, allerdings leicht auszusprechen, wenig Besonderheiten. Sehr lustig, der Laden ist voll mit Einheimischen. So macht Reisen Spaß.
