Heute Morgen: tiefe Wolken, leichter Niesel, zum Glück hört zum Frühstück der dankenswerter Weise erstmal wieder auf. Das Wetter entwickelt sich heute nicht so gut.
Im nächsten größeren Ort Letterkenny füllen wir alle unsere Vorräte wieder auf. Unser Auto lädt noch bis halb 11. Wir müssen doch noch einmal in den Supermarkt. In Irland haben die Alkoholabteilungen erst ab 10:30 Uhr geöffnet und wir brauchen dringend Wein.
Die Halbinsel Inishowen ist landschaftlich nicht so spektakulär wie der westliche Teil Donegals, aber hier spürt man ein bißchen den Flair eines Endes der Welt. Das mag ich auch sehr gerne.
Vor uns sehen wir ein Haus aus dessen Schornstein dicker gelbbrauner Rauch kommt. Seitenscheibe runter und schnuppern. Eindeutig Torf, riecht wie Braunkohle, vielleicht etwas süßlicher und pflanzlicher. Wenn man riecht, atmet man das ja auch ein und das, was man riecht, sind ja die Emissionen mit den Schadstoffen. Ganz logisch, wie gesund das ist.


Das typisch irische Wetter läßt uns nicht los. Als wir im Museum Doagh Famine Village ziemlich weit im Norden ankommen, scheint die Sonne bei leichten Wolkenauflockerungen.
Der Besuch ist mit einer Führung verbunden und beginnt mit Geschichten über das Leben in dieser kargen Gegend. Wie aus den Seegras und verschiedenen Algen Nahrungsmittel hergestellt wurden, wie Schnaps schwarz gebrannt wurde, das alles mit Probieroption.


Später erläutert in einem typischen Bauernhaus mit Strohdach ein Zeitzeuge, wie das Leben sich hier entwickelt hat. Er selbst ist in so einer Art Haus aufgewachsen. Fließend Wasser gab es hier in der Gegend erst 2005.
Vor allem interessant welchen Entwicklungsschub der Beitritt Irlands zur EU gebracht hat. Vorher war Irland die Werkbank der USA und Kanadas. Hier wurde billig produziert, aber die Bewohner hatten nichts davon.
Leider sprechen beide Führer einen dermaßen irischen Slang, das ich gefühlt nur 10% verstehe.


Dann können wir uns in den anderen Gebäuden umgucken, das Museum entpuppt sich als Füllhorn zu allen Aspekten der irischen Geschichte. Auch die große Hungersnot wird noch einmal ausführlich erläutert. Beeindruckend noch mal die Zahlen des Bevölkerungsrückganges.
Da wir hier ja ganz nah an Nordirland sind, wird die Geschichte von Irland und Nordirland und wie es zu der Trennung kommen konnte ergiebig erläutert. Alle Tafeln kann man gar nicht ausführlich lesen.
Wo ich anfangs dachte, das Ganze ist so ein bißchen Touristennepp mit Bespaßung und Souveniershop, muß ich mein Urteil dann doch revidieren. Man könnte sich den ganzen Tag hier aufhalten. Nur ein bißchen textlastig das alles, da könnte noch dran gearbeitet werden.



Draußen bietet das Wetter jetzt Sonne mit Niesel. Die Ansicht des 5 Finger Strandes, der sich an dem schmalen Meerdurchlass der langgezogenen Bucht entlang gebildet hat, ändert sich laufend.


Mit einer Fähre, die nur in den Sommermonaten regelmäßig fährt, geht es wieder rüber nach Nordirland. Am Fjord, der durch den Fluß Foyle gebildet wird, liegt im Süden Derry(Londonderry). Wenn wir schon mal hier oben sind, können wir auch noch zum Giant‘s Causeway an der Nordküste Nordirlands fahren.

Von den vielen Campingplätzen hier oben hatte auf Nachfrage tatsächlich noch einer ein Plätzchen für uns frei. Wir bauen zum ersten Mal auf dieser Reise unser Vorzelt auf. Denn der Niesel hört einfach nicht auf.

26. Tag
Mulroy – Bushmills: 186 km
Kilometer gesamt: 4.349 km
