15.08.26 – Aalto Siilo

Letzter Tag in Oulu, das Wetter wird wieder besser. Das ist auch gut so. Denn heute ist das große Kulturhauptstadt-Event „Summer Night’s Dinner“ in der Innenstadt.

Aber erstmal fahren wir mit dem Bus in einen nördlichen Stadtteil von Oulu zum Aalto Siilo. Das Aalto Siilo war ein Lagerhaus für Holzspäne der ehemaligen Zellulose-Fabrik Topilla, die von Alvar Aalto, dem berühmten finnischen Architekt um 1930 entworfen wurde. 

Es wurde auch schon als das ungeliebteste und häßlichste Gebäude Oulu klassifiziert. Dem kann man eigentlich nur zustimmen. Allein der Baustil „Brutalismus“ sagt eigentlich schon alles. Allerdings ist es auch sehr speziell und einzigartig. Schmal und hoch mit angedeutetem, steilem Dach und dünnen Betonwänden.

Jahrzehntelang stand das Silo leer und wird jetzt seit 6 Jahren zu einem Kulturzentrum umgebaut. Diese Umbauplanungen waren Teil der Bewerbung zur Kulturhauptstadt. Es ist noch viel zu tun, aber das Konzept ist ambitioniert. Es wurde extra eine Vereinbarung geschlossen, das alle Abrissmaterialien, vor allem die Betonteile, möglichst wiederverwendet werden sollen. Das Aalto Siilo soll ein Versuchslabor für Bestandserhalt, selektiven Rückbau und zirkuläres Bauen werden. Und ein Kulturort.

Während des Umbaus wird das Gebäude schon als Ausstellungsraum genutzt. Für eine Fotoausstellung und eine Infoausstellung über den European Union Prize for Contemporary Architecture – Mies van der Rohe Award, die Preisverleihung hat 2026 hier stattgefunden.

Zurück in der Innenstadt besuchen wir die Art Gallery Finland mit einer Ausstellung des hier berühmten finnischen Künstlers Reidar Särestöniemi. In Lappland geboren und dort auch auf dem Bauernhof seiner Eltern gelebt und gearbeitet, malte er farbenfrohe Ölbilder von der ihn umgebenden Natur. Mir gefallen eher die nicht ganz so farbenfrohen sehr gut. Ein Video zeigt seine anarchische Herangehensweise.

In der Innenstadt ziehen sich über 1 Kilometer lang die Tische + Bänke des Summer Night’s Dinner vom Marktplatz bis zum Bahnhof.

Die Idee des Events ist, das es wohl schon ein paar Jahre gibt, dass die Menschen beim Essen zusammenkommen und miteinander plaudern. Es wird veranstaltet vom Arctic Food Lab, das die regionale Esskultur fördert. Es fand früher rund um einen Innenstadtpark statt. Zum Kulturhauptstadtjahr wurde es erweitert zum längsten Tisch Europas. 


Essensstände sind aufgebaut, man kann sich aber auch aus den umliegenden Restaurants versorgen oder selbst was mitbringen. Dazu sind 3 Musik-Bühnen aufgebaut und mehrere Tischabscnhitte zu Themen-Tischen deklariert. Gemeinsam stricken, Meet and Mingle (Kennenlernen und Plaudern), Tische für Gruppen, die man vorab buchen kann.

Es sind viele Leute unterwegs, an den doch nicht so zahlreich vorhandenen Essensbuden bilden sich sehr lange Schlangen. So ganz funktioniert es mit dem Kontakte knüpfen beim Essen nicht. Zu groß das Ganze und irgendwie zu unverbindlich. 

Schönes Event zum Menschen beobachten, die sich an uns vorbei bewegen. Die langen Schlangen an den Essbuden schrecken uns allerdings ab.


Für den Abend haben wir kurzerhand 2 Tickets für ein Konzert des Roma-Kulturfestivals im Kulturzentrum Valve gebucht. Einmal eine bekannte finnische Romasängerin mit Begleitung und 2 Flamenco-Tänzerinnen. Sehr spannende Aufführung. Und schön zum ersten mal Flamenco live zu sehen. Und nicht in der Touristenvorführungs-Version.

Im Publikum natürlich viele finnische Romas, auch in typischer Tracht. In der ersten Reihe ein älterer Herr mit Gehwagen, der von vielen aus der Szene begrüßt wird. Es stellt sich heraus, es ist ein berühmter finnischer Roma-Musiker. 


Dann ein bulgarisches Balkanjazz Trio mit Virtuosen an Akkordeon, Gitarre und Bass. Mit sehr viel Spielfreude sind sie dabei und es macht Spaß ihnen zuzugucken.

Da tun sich doch gleich wieder die nächsten Themenfelder auf. Geschichte der finnischen Roma und Musik der Roma mit der Verbindung zum Flamenco.

Ein letztes Bier in dem von uns bevorzugten Jumpru-Pub und vor dem großen Gewitter sind wir wieder in unserem Apartment. Morgen früh begeben wir uns wieder auf die lange Reise nach Hause.

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